Mama Burn Out

Burn out? – Jetzt nicht!


Mama Burn Out

 

Happy Birthday! Du bist am Arsch.
Das war es, was ich mir vor gut 2 Wochen dachte. Denn da fand ich raus, was anscheinend mein Problem ist.

Zwangspause

Kreislauf, Schwindeln, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Regel blieb aus. Dazu noch die Hormone, die mich plötzlich heulen ließen, und die Nerven, die ich nicht mehr hatte. Wegen jedem minibisschen habe ich ein Faß aufgemacht. Ich konnte einfach nichts mehr aushalten.
Schon direkt morgens, noch vor dem Aufstehen, warf mich mein Kreislauf, mit dem Schwindel, so aus der Bahn, dass ich einfach liegen bleiben wollte. Ich hatte keine Lust auf den Zicken Krieg schon zum Frühstück, und auch nicht auf die “ich will das nicht essen” Phase. Auch hatte ich keine Lust, mich wieder wegen Socken, die das Kind 5 min vor dem gehen immer noch nicht an hatte (geschweige den raus suchte) rum zu ärgern. Auch wollte ich keine Zettel unterschreiben, obwohl ich am Tag vorher noch gefragt hatte, ob es was gibt. Ich wollte liegen bleiben. Nichts hören – nichts sehen.
Das geht bei 4 Kindern aber nicht. Zumal sie in die Schule und den Kiga müssen. Ich war müde, ein weiterer Grund, dass sie auf gar keinen Fall zu Hause bleiben können.
War ich dann aufgestanden, begrüßten mich direkt meine neuen Begleiter: Herr Magenschmerzen und Frau Hammer, alias Kopfschmerzen, die mir seit 5 Wochen nicht von der Pelle rückten.
Zuerst dachte ich, ich wäre schwanger. Ich geriet schon in Panik, denn ein Baby ist das letzte was wir aktuell gebrauchen könnten. Ausserdem hab ich Wochen vorher groß rumgetöhnt, wir wollen kein Kind mehr. Auch oder wegen dem #schokoladenjungen Foto. #insider. Und dann? Was hätte ich machen und sagen sollen? “Zu blöd zum verhüten? Ich musste Antibiotika nehmen? Ich hab meine Pille mal zu spät genommen?” Abtreiben wäre keine Option gewesen. Aber ich war nicht schwanger. Das bestätigten mir 2 Tests.
Auch wenn ich dann den Vormittag frei hatte, ich hatte immer das Gefühl absolut nichts geschafft zu haben. Ich fing alles an, und beendete selten etwas. Überall hab ich das gemacht, was gerade Not tat, aber nichts mehr zu 100%. Die Tage zerrissen mich, ich fühlte mich überfahren. Ich hatte keine Pause, obwohl ich eine Pause hatte. Mein Kopf war überladen. Konnte mir nicht mal mehr die Einfachsten Dinge für kürzeste Zeit merken. Gleich morgens wurde ich auch schon gefordert. Teilweise hatte ich noch nicht mal die Augen auf, da wurde nach mir gerufen. Ich hatte es satt. Ich wollte nicht mehr. Macht euren Scheiß doch mal allein! Dachte ich, und machte es trotzdem…

Vorwarnung

Arzt? Habe ich keine Zeit zu. Ich habe nicht mal einen Hausarzt. Als Mutter kannst du nicht krank werden.
Dann fing es wieder an, das sich mein Schulterbereich extrem verspannte.  Das hatte ich vor 8 Jahren schon mal. Da meinte der Arzt, “das ist nur Verspannt, … Streß?!”
Der Kreis schloß sich, und ich war mir sicher, dass es am Streß lag. Einfach auch, weil ich Nachts keine körperlichen Beschwerden hatte. Aber Streß allein war es nicht mehr. Ich habe ständig Streß. Positiven wie auch negativen. Ich kann nicht “chillen”, ich kann nicht nichts tun, ich brauche immer etwas, woran ich arbeite. Es deutete aber alles auf einen Burn Out hin. Keine ärztliche Diagnose, eine Vorwarnung. Ein: “Verdammte scheiße, nu mach mal halblang!” Ich brauchte für diese Erkenntnis keinen Arzt, ich bin jetzt mal so arrogant, und sage, ich kenne meinen Körper sehr gut, habe ein sehr gutes Körperbewusstsein, und merke, wenn es schief läuft. Jetzt ein Jahr auf einen Termin beim Psychologen warten, damit er mir sagt, ich stehe vor dem Burn Out? Das weiß ich selber. Ich muss jetzt etwas ändern.
Ich las an dem Tag vor meinem Geburtstag viel darüber. Denn schlafen konnte ich wieder nicht, trotz das ich so müde war. Happy Birthday auch. Kreuz und Quer surfte ich durchs Netz, in sehr vielen Artikeln fand ich mich wieder, einige machten mir Angst. So will ich nicht enden. Da habe ich keine Zeit für.
Ich kann nicht 8 Wochen auf Kur, ich kann nicht “morgens nicht aufstehen”, ich kann nicht versagen...
Aber mein Körper schickte mir mehr als genug Alarmsignale, ich fühlte mich etwas ohnmächtig, konnte ich den scheiß nicht verhindern. Ich musste  darauf hören. Ich konnte, wie bisher, nicht weiter machen.

Fehlersuche

“Erstmal, sind die anderen Schuld, klar. Wer sonst? Opfere ich mich doch tagtäglich für alle auf, ohne ein “Danke” zu bekommen. Regel ich den kompletten Haushalt allein, blogge ich auch noch “nebenbei” und muss mir alle Termine merken. Ich bin, als Mutter, schuld, wenn etwas nicht funktioniert, vergessen oder anders gemacht wird. Die Last der Familie liegt auf mir. Allein.”

Dazu der berufliche Streß, das planen, der Termindruck.
Ich war sauer. Auf die anderen. Auf meinen Mann, auf meine Kinder. Warum tun sie mir das an? Warum helfen sie nicht einfach mal mehr? Warum sehen sie nicht, dass es mir schlecht geht. Warum sagen sie nicht Danke.
Und dann laß ich einen Satz, einen Satz, der alles in ein anderes Licht rückte. Dieser Satz, der mich aus meinem Mimimi raus holte, der mich in den Arsch gedrehten hat, der mir die Augen geöffnet hat:

Sie können es nicht jedem Recht machen und sind auch nicht für alles und jeden verantwortlich.

Rums! Das saß. Immer und immer wieder laß ich diesen Satz. Und stimmte zu. Ich nickte wie blöde, hatte Tränen in den Augen und war einfach nur erleichtert. Es war, als ob sich alle Teile zusammen fügen, eine Birne anging, und ich nur noch dachte: GANZ GENAU!
Und so schlimm ist es eigentlich alles gar nicht, hätte ich nicht meine eigenen, anscheinend zu hochgesteckten Ziele, die ich momentan nicht erreichen kann. Aber … what ever …
Ich habe, zugegebener Maßen, sehr schnell die Ursache meines Problems gefunden. Nicht jeder hat es so einfach. Ein gutes Körperbewusstsein und das eingestehen der eigenen Probleme ist da ungemein hilfreich. Ich merke selber, wie schwierig es ist, denn meist sind die Leute betroffen, die perfektionistisch sind. Man kann nicht versagen, man muss ja für alle da sein. Ohne einen läuft nichts. Man kann einfach nicht “mal eben” 6-8 Wochen auf Kur. Vllt stecke ich ja auch gerade in einer Verleumdungs Phase. Wer weiß das schon. Einen Termin beim Arzt zu bekommen, dauert hier ca ein Jahr. 365 Tage, wo es einem von Tag zu Tag schlechter gehen kann.

Kopf hoch, Krone richten, weiter machen.

Am nächsten Tag hatte ich weder Magen noch Kopfschmerzen. Bis heute. Alle körperlichen Schmerzen waren seit der Vermutung, dem Bewusstsein “Du stehst kurz vor dem Burn Out” weg.  Und genau deshalb bin ich mir so sicher, dass diese körperliche Vorwarnungen, ein Zeichen waren, bald an einem Burn Out zu erleiden, wenn ich nichts ändere. Und nicht, dass es eine andere “Krankheit” ist. Und das nur, weil ich die imaginäre “is mir jetzt einfach mal egal” Pille genommen habe. Meine Kinder, mein Mann, mein Haushalt, mein Job … all das ist nicht das Problem gewesen. Es ist meine Denkweise.
Ich muss nicht alles machen. Nicht alles jeden Tag. Ich plane meinen Tag nun selber, mache ihn nicht von anderen abhängig. Ich bestimme, wann, was und wie. Aber trotzdem fordere ich die anderen jetzt mehr. Denn ich sehe es nicht mehr ein, immer ihre Sachen zu erledigen, denn schließlich, … bin ich nicht für alles verantwortlich.

Für das Gefühl, dass ich am Tag einfach absolut nichts geschafft habe, habe ich mir einen Tagesplan zugelegt. Ich teile mir meine Zeit nun schriftlich ein, und sehe es dann auch optisch (auf dem Blatt Papier), was ich gemacht habe, auch wenn man in der Realität sehr schnell nichts mehr davon sieht, dass ich zum Bsp. zuvor 2 Stunden aufgeräumt habe.
Ich versuche, nach jeder getanen Arbeit noch mal darauf zu schauen, statt zur nächsten Aufgabe zu rennen. Für mich.
Weil ich es schätzen muss.
Weil ich mich schätzen muss.
Ich kann die anderen nicht ändern, aber ich kann mich selber ändern.


Nachtrag:

Dies ist meine Erfahrung. Ob es richtig oder falsch ist, nicht zum Arzt zu gehen, steht in den Sternen. Aktuell geht es mir mit meiner Entscheidung gut, körperlich sowie seelisch. Ich bin sehr zuversichtlich, meine Denk.- und Handlungsweise ändern zu können, dazu gerne bald mehr.

Natürlich muss ich dazu raten, wenn du dich in dem Artikel wieder erkannt hast: dann geh bitte zu einem Arzt. Noch ist es nicht zu spät. Der Burn Out hat 3 Phasen, wobei ich noch DAVOR stehe. Mit seiner Psyche zu spielen, kann verdammt nach hinten losgehen. Nicht umsonst gibt es Profis.
Ich freue mich über eure Erfahrungen, Berichte, Austausch (auch als Mail). Wie seit ihr damit umgegangen? Kann man da selber wieder raus kommen? Oder ist der Weg zum Psychologen unumgänglich?

Weiterführende Links:

Burn Out Test
Burn Out Symptome

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