wochenendpost

Warum ich keine Wochenendposts schreibe


Das, was gestern passiert ist, sitzt mir immer immer noch im Nacken. Ich konnte kaum schlafen und habe mir echt viele Gedanken gemacht. Vielen Bloggern geht es wahrscheinlich genau so. Der Post von Mari hat sicher vielen die Augen geöffnet. Und mir wurde gestern extrem bewusst, was mir schon seit Wochen erneut durch den Kopf geht:

Bloggen ist: “sich “nackig” machen”

Man hat das Gefühl (!) Du solltest dein Leben teilen, mit allem was dazu gehört, deine Geschichten, deine Erfahrungen, deine Termine und sollst berichten, was dabei raus gekommen ist. Du erzählst von deinen und den Krankheiten deiner Kinder, die Kindheit deiner Liebsten wird komplett veröffentlicht. Deine Sorgen und Probleme … alles. Einfach alles.
Du stehst auf, machst ein Aufwachbild, einen #OOTD “Schnappschuss”, ein perfektes Frühstücksbild, ein “Ich bring mein Kind in den Kindergarten”-Foto und wie du es wieder abholst. Dann gibt’s ausgewogenes Mittag, welches auch perfekt inszeniert gepostet wird. Danach noch ein “Eis essen”-Bild und dann ab auf den Spielplatz, um abends das 3. Essen perfekt in Szene zu setzen. Nach dem super-süßen Wannenbild geht es ins Bett und da folgt das letzte Foto deines Schatzes. Die Schnappschüsse zwischendurch nicht mitgerechnet. Dass das alles zusammengerechnet ca. 2 Stunden dauert, sieht man nicht. Ist ja schließlich Instagram, geht schnell.
Und du bist eigentlich gedanklich “verpflichtet”, jeden Montag einen Wochenendpost zu machen. Neben den DIYs, Food-, und Erfahrungsberichten. Ein Gewinnspiel zwischendurch gefällt den Lesern. Na klar. Denn all das machen auch die anderen Blogger und wenn es da gut ankommt, dann kommt es sicher auch bei dir gut an.
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Verlier dich nicht

Soweit der innerliche Druck, den man sich selbst gibt. Keiner sagt, das man das so machen muss, aber wir sind doch alle nur Lemminge und schauen hier und da und versuchen immer besser zu sein. Das ist halt die menschliche Natur.
Und wir vergessen vielleicht, warum wir angefangen haben zu bloggen: weil wir es lieben. Weil wir Spaß an Dingen haben, und diese teilen wollen. Wir denken anfänglich nicht, dass wir mal irgendwann Erfolg damit haben werden – klar, man wünscht sich, dass es noch mehr da draußen gibt, die toll finden, was man toll findet. Aber kann man ernsthaft davon ausgehen, irgendwann mal ganz oben zu stehen? Kann man anfänglich überhaupt wissen, wie viel Arbeit das Bloggen ist? Wie viel von allem abhängt? Wie die Leser und Partner, die man eventuell schon hat, auf Artikel reagieren? Und warum, macht man sich darum überhaupt Gedanken?
Weil wir uns mitreißen lassen.
Immer Höher, schneller, weiter. Andere schreiben Wochenendposts, also ist das wohl so gewünscht. Wird es vielleicht sogar verlangt? Verlangen wir es selbst von uns? Müssen wir denn immer besser sein als andere?

Schmarotzer!

Nur Blogger oder Journalisten werden verstehen können, was für eine Arbeit hinter jedem Artikel steckt. Wie oft habe ich mich schon rechtfertigen müssen, bei Sprüchen wie:

Bloggen ist doch nur Fotos machen und ein bisschen schreiben.

Dafür bekommst du auch Sachen geschenkt,

sei doch froh, dass du nicht arbeiten musst.

Ich finde es mittlerweile eine Frechheit. Eine Frechheit, dass man den Job, der mittlerweile einer ist, so verkannt wird. Einen lieblos geführten Blog wirst du kaum länger als 3 Sek anschauen. Auch wenn die Texte oder Fotos noch so gut sind, du wirst sie nicht lesen, denn wenn das Design nicht gefällt, dann bist du als Leser wieder weg.
Bloggen ist nicht mal eben so. Bloggen ist harte Arbeit. Ohne Urlaub, ohne Wochenende, ohne Pause.
Bloggen ist ein Vollzeitjob. Blogger, die davon leben (oder leben wollen), arbeiten mehr als manch anderer. Nicht? Naja, Mama sein ist ja auch nur auf dem Sofa rumgammeln. Das bisschen Haushalt erledigt sich von allein, und die Kinder erziehen sich nebenbei von selbst. Dafür bekommt man auch noch Kindergeld usw.
Ach, nicht? Gut,dann verstehst du vielleicht, dass Familienblogger Kinder haben – meist mehr als eins – und sie werden keine Nanny oder eine Haushälterin haben, aber sie arbeiten auch noch nebenbei. Meist schon in den ersten 2 Lebensjahren des Kindes. Und nur weil sie von zu Hause aus arbeiten, heißt es nicht, dass es leichter ist. Im Gegenteil.
Ganz oft wird man unterbrochen, weil Kind 1 das Nutellaglas nicht aufbekommt, 5 Min später kommt Kind 2 und möchte eine Gurke geschnitten haben. Kind 3 muss aber in 15 Min abgeholt werden und die Waschmaschine wartet auch seit 3 Stunden, der Berg in der Küche wird immer größer und der Dreck auf dem Boden mutiert schon. Aber du musst das erst noch zu Ende lesen, das verinnerlichen und dir Gedanken darüber machen, denn der Artikel muss bald fertig sein. Denk an die Insta-Fotos, die Follower warten bestimmt. Fotos! Verdammt, sind die schon für Artikel XY fertig bearbeitet? Klirr, ein Teller ist kaputt gegangen. Mist, auch das noch! Im E-Mail-Postfach warten auch noch 15 neue Mails von Kooperationspartnern. “Passt das zu uns? Wie sind die Erfahrungen damit?” Nachlesen. Verhandlungen, E-Mails hin und her. Und selbst wenn es nicht passt, schreibt man nett zurück. Diese ständige Arbeit im Kopf, das planen, koordinieren, weitermachen. Kein Feierabend.
Und dann noch der ganze Kram wie Haushalt, die Familie, die auch umsorgt werden möchte und das alles neben dem Bloggen. Wo man im Schnitt 10 Stunden (für alles) für einen Artikel braucht. “Für alles? Sind doch nur Fotos und schreiben.” Es gibt einige Blogger, die haben ihre Tagesabläufe aufgeschrieben, das werde ich an dieser Stelle nicht tun, denn es geht jetzt hier nicht darum.
Aber Arbeit von zu Hause mit Kindern – Entspannend oder?
Ich habe 4 Kinder. Ich habe sehr schnell gemerkt, wie zeitintensiv das alles wurde,  wie man sich zerreist, wie man plant, wie es im Kopf arbeitet, wenn man die Kinder badet oder sie ins Bett bringt. Und ich habe daher vollstes Verständnis für Mari.

Privatsphäre adé

Aber die Gründe, warum ich nur einmal einen Wochenendpost geschrieben habe, ist zum einen, dass ich das letzte Wochenende zeitlich gesehen wahrscheinlich erst am nächsten Donnerstag posten würde.
Zweitens würde ich ständig unter Druck stehen, immer überall alles zu fotografieren und man muss auch am besten immer supertolle Sachen machen.
Durch das Lillestofffestival letztes Jahr wurde mir bewusst, das alles was ich schreibe, irgendwer weiß. Selbst wenn ich es löschen würde, es gibt so viele von euch, die wissen es. Versteht mich nicht falsch, aber das war unheimlich. Einmal im Netz immer im Netz. Das Lillestofffestival hat mir wirklich klar gemacht, dass ich nicht nur irgendein Profil bei Facebook oder Insta bin, sondern dass es Leute gibt, viele Leute, die mich kennen. Das ist schön, aber das beängstigt auch ein wenig. Nicht, weil man Angst vor den Leuten hat, sondern weil man selber zu schnell vergisst, was man eigentlich im Netz mal eben so geschrieben hat. Man vergisst, dass man sich “nackig macht”. Und seine Kinder öffentlich zur Schau stellt. Dinge erzählt, die einem vllt gerade in dem Moment nicht die Schamesröte ins Gesicht treiben, aber in 5 Jahren, vllt sogar den eigenen Kindern mehr als peinlich sind.
Das ist der Grund, warum ich euch nicht den ganzen Tag mitnehme. Warum ich keine Wochenendpostings mache. Warum ich mir selber den Druck nehme, immer perfekt zu erscheinen, denn das haben wir ja schon festgestellt, das bin ich nicht 😉 Und das will ich auch gar nicht.

“Warum bloggt man denn dann, wenn alles so scheiße ist?”

Aus demselben Grund, weshalb ich damals damit angefangen habe:
Weil ich es liebe. Weil es mir Spaß macht. Weil ich mit euch kommunizieren kann, weil ihr ein Teil von MIR seid.
Weil ich einen Job gefunden habe, der mich voll und ganz ausfüllt. Einen Job, der Spaß macht, einen Job, für den ich gerne aufstehe. Liebe was du tust.

Aber?

Aber ich blogge nicht, weil ich mein ganzes Leben und meine Familie ich nenn es mal ausschlachten möchte. Das ist mir zu privat. Das ist es mir auch nicht wert. Für nichts. Denn ich weiß, für mich, ich könnte damit nicht leben. Und ich bin sowas von froh, dass ihr das nicht von mir erwartet <3 Ihr nehmt mir damit unheimlich viel Druck, dafür bin ich sehr dankbar. Ihr bekommt von mir lieber Artikel, über die man nicht spricht, weil ich die Möglichkeit habe, euch eine Stimme zu geben. <3

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